

Nachhaltigkeit ist ein viel verwendeter – überstrapazierter – Begriff, aber das Konzept so essenziell. Letztlich bedeutet es nichts anderes, als die eigene Lebensgrundlage nicht zu zerstören – eine Idee, die eigentlich selbstverständlich klingt.
Anscheinend ist es nicht. Meine Arbeit dreht sich viel um Nachhaltigkeit, weshalb es mir wichtig ist, meine Verständnis von Nachhaltigkeit zu definieren. Dies ist nicht fest, sondern entwickelt sich stetig weiter, während ich lerne und umlerne.
Für mich bedeutet Nachhaltigkeit, Respekt gegenüber der Umwelt zu zeigen – einschließlich aller Pflanzen, Tiere und Ökosysteme.
Doch das ist nicht einfach. Wir leben in Systemen, die in sich selbst nicht nachhaltig sind. Deshalb glaube ich, dass wir innerhalb der bestehenden Strukturen arbeiten müssen. Aber gleichzeitig müssen wir sie gleichzeitig hinterfragen, neu denken und aufbrechen.
Die Textilindustrie gehört zu den umweltschädlichsten Industrien weltweit. Ihre Lieferkette ist lang und komplex, weshalb meine Wertschätzung für Textilien ja auch so hoch ist. Ich bin überzeugt, dass Textilien dazu beitragen können, globale Herausforderungen zu bewältigen.
Besonders problematisch ist die zunehmende Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen in der Textilproduktion. Polyester, Nylon und Elastan sind im Grunde Kunststoffe, die durch feine Düsen gepresst werden. Sie setzen Mikroplastik in die Umwelt frei und verschmutzen die Umwelt in jeder Phase ihres Lebenszyklus – von der Herstellung bis zur Entsorgung. Im Gegensatz dazu sind Naturmaterialien biologisch abbaubar und besitzen komplexe molekulare Strukturen, die bemerkenswerte Eigenschaften bieten, wie Atmungsaktivität, Feuchtigkeitsregulierung, Temperaturausgleich und Langlebigkeit. Diese natürlichen Eigenschaften machen sie nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch viel angenehmer für uns zu tragen.
Es wird niemals die eine "nachhaltige" Faser geben. Um die Abhängigkeit von Baumwolle und synthetischen Materialien zu verringern, müssen wir unsere Faserquellen diversifizieren. Entscheidend ist, die passende Faser für den jeweiligen Zweck zu wählen – und vor allem, lokal verfügbare Fasern zu bevorzugen, um Transportwege zu verkürzen und regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken.
Es wird niemals die eine "nachhaltige" Faser geben. Um die Abhängigkeit von Baumwolle und synthetischen Materialien zu verringern, müssen wir unsere Faserquellen diversifizieren. Entscheidend ist, die passende Faser für den jeweiligen Zweck zu wählen – und vor allem, lokal verfügbare Fasern zu bevorzugen, um Transportwege zu verkürzen und regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken.
Die nachhaltigste Option ist immer die, die bereits existiert. Und es gibt eine so große Fülle an bereits vorhandenen Materialien. Daher sollten wir zunächst nutzen, was da ist. Gleichzeitig ist es jedoch essenziell, darauf zu achten, dass recycelbare Materialien nicht so vermischt werden, dass sie ihre Wiederverwertbarkeit verlieren.
Um Materialien optimal zu nutzen, müssen Textilien im Kreislauf gehalten werden. Nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip gibt es zwei Kreisläufe: den technischen und den biologischen. Um eine effektive Kreislaufwirtschaft zu gewährleisten, sollten Materialien unterschiedlichen Ursprungs nicht miteinander vermischt werden. Das Mischen von tierischen, pflanzlichen und synthetischen Fasern sollte strikt vermieden werden. Eine Kombination aus pflanzlichen und tierischen Fasern kann jedoch sinnvoll sein, wenn keine chemische Wiederverwertung angestrebt wird und die Materialien in den biologischen Kreislauf zurückgeführt werden können.
Mich beeindruckt die positive Wirkung des ökologischen Landbaus, wenn er tatsächlich im Einklang mit natürlichen Kreisläufen steht. Eine gute ökologische Landwirtschaft arbeitet mit Fruchtfolgen, die den Boden bereichern. Dadurch entsteht Humus, der die Wasserspeicherung verbessert, das mikrobielle Leben fördert und Pflanzenreste effizient abbaut. Ökologischer Anbau bedeutet auch den Anbau verschiedener Pflanzen, was das gesamte Ökosystem stärkt. Zum Beispiel können Chili-Pflanzen Schädlinge auf natürliche Weise abwehren.
Deshalb finde ich auch das Verwenden unter Umständen und in Maßen vertretbar. Entgegen der weit verbreiteten Annahme benötigt die Baumwollpflanze an sich nicht übermäßig viel Wasser. Das Problem entsteht erst, wenn sie in Regionen ohne ausreichende Regenzeiten angebaut wird, wodurch künstliche Bewässerung nötig wird.
Qualität ist immer wichtig – und wird oft als Rechtfertigung für nicht nachhaltige Materialien herangezogen. Alles, was wir produzieren, sollte von hoher Qualität sein. Doch gerade bei Textilien ist es schwer, Qualität zu bewerten. Verbraucher:innen können oft nicht erkennen, wie lang die Fasern sind, welche Spinntechniken verwendet wurden, welche Färbemittel eingesetzt wurden oder welche Veredelungsprozesse stattgefunden haben. Mehr Transparenz und strengere gesetzliche Vorgaben sind daher unerlässlich.
Eine wirklich nachhaltige (Textil-)Wirtschaft erfordert grundlegende Veränderungen. Unser Konsum muss sinken, und Wirtschaftssysteme dürfen nicht länger auf unendliches Wachstum ausgerichtet sein. Gesellschaft und Unternehmen sollten Reparatur und Pflege fördern und fordern, wodurch Textilien und andere Produkte an Wert gewinnen.
Fabriken müssen auf erneuerbare Energien umsteigen, Wasserkreisläufe sollten geschlossen sein. Es darf nicht mehr akzeptabel sein, dass Arbeiter:innen entlang der Lieferkette unter unwürdigen Bedingungen und Hungerlöhnen leben müssen. Bildungssysteme müssen den Wert von Textilien stärker vermitteln.
Um eine funktionierende Kreislaufwirtschaft zu etablieren, ist ein staatlich unterstütztes Recyclingsystem erforderlich. Dieses sollte funktionale Gegenstände (Kleidung, Sportausrüstung, Möbel usw.) sammeln und weiterverkaufen, defekte Produkte in wiederverwertbare Einzelteile zerlegen und die verbleibenden Materialien innerhalb des Cradle-to-Cradle-Prinzips sinnvoll verarbeiten.
Ich glaube, dass individuelle Verantwortung wichtig ist – man demonstriert Respekt und Wertschätzung für die Umwelt - aber es gilt sich nicht zu überbürden. Es ist gefährlich zu viel Wert auf einzelne Handlungen zu legen. Denn gleichzeitig subventionieren Regierungen weiterhin klimaschädliche Industrien, neue Autobahnen werden gebaut, und Fast-Fashion-Marken erhöhen den Polyesteranteil in Baumwolltextilien.
Trotzdem müssen wir neue Wege gehen, Lösungen vorschlagen und Begeisterung für echten Wandel wecken.
Ich versuche, so viel organisches Material wie möglich zu verwenden. Manchmal bin ich aber auch auf anderes angewiesen. In solchen Fällen kaufe ich nach Möglichkeit Secondhand oder – falls neu – qualitativ hochwertig und lokal produziert. Das funktioniert mal besser, mal schlechter.
Manchmal fehlt mir einfach die Kapazität, stundenlang nach der besten Option zu suchen. Doch genau deshalb brauchen wir systemischen Wandel – damit wir uns nicht mehr um schlechte Arbeitsbedingungen in anderen Ländern sorgen müssen, alles reparierbar ist und...
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Für die Überschriften habe ich FAUNE verwendet, eine Schrift von Alice Savoie.
Alle Fotos habe ich selber gemacht. Nur die, auf denen ich zu sehen bin, nicht. Alle Bildrechte gehören mir.
Antonia Ablass antonia.ablass@posteo.de instagram: @plantextile
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