
"Nature does not draw straight lines"
"Die Natur zieht keine geraden Linien"
Was für ein toller Ausstellungstitel, und ich war Teil davon.
Kuratiert von Joana Alarcão zeigte ich meine Arbeiten gemeinsam mit ihren eigenen Arbeiten und Zixiang Zhang in der Galeria Municipal Jovem in Vila Franca de Xira, nur zehn Minuten mit dem Zug von Lisboa Oriente entfernt.
Was geschieht im Raum zwischen Intention und Wachstum? Zwischen der Hand des Künstlers und der Kraft des Myzels? Zwischen unseren täglichen Bewegungen und dem leisen Stattfinden ökologischer Brüche?
Nature Doesn't Draw Straight Lines bringt drei Künstler zusammen:
Zixiang Zhang, Antonia Ablass und Joana Alarcão, deren Praktiken in aktiver Auseinandersetzung mit lebenden Systemen stehen: Pflanzen, Algen, Myzel und den Umgebungen, in denen sie leben. Sie machen keine Kunst über die Natur, sondern mit der Natur: eine Praxis der Zusammenarbeit, Geduld und Wertschätzung.
In unserer heutigen schnelllebigen Welt übersehen wir oft die stillen Veränderungen und Bewegungen in der Natur, die uns umgibt – Myzel umgeht Hindernisse, Algen blühen in sich erwärmenden Gewässern und Bäume passen sich an Gebäude und Beton an. In ihrer künstlerischen Praxis schaffen diese Künstler einen Dialog der Verbundenheit, der diese stillen Brüche hervorhebt und uns zeigt, dass wir, wenn wir langsam genug werden, die Handlungsfähigkeit anderer Wesen wahrnehmen können.
Die Skulpturen, Installationen und Zeichnungen atmen, verfallen, passen sich an und leisten Widerstand, wobei sie die einzigartigen Prozesse der Natur würdigen. Indem sie die Kontrolle abgeben, geben diese Künstler den Materialien ihre eigene Wirkmächtigkeit zurück und schaffen Raum für sie, um zu Mitautoren im künstlerischen Prozess zu werden, wodurch sich die geraden Linien des menschlichen Designs in der geschwungenen Logik organischer Systeme auflösen können.
Die visuelle und konzeptionelle Atmosphäre der Ausstellung zielt darauf ab, folgende Fragen zu stellen: Was bedeutet es, miteinander zu kreieren, anstatt auf etwas aufzubauen? Wie schaffen wir Raum für nichtmenschliche Handlungsfähigkeit? Welche stillen Spannungen entstehen, wenn wir unsere Verflechtung mit Systemen anerkennen, die größer und älter sind als wir selbst?
Biophile Kunstpraktiken bieten mehr als nur eine Metapher; sie schaffen eine andere Beziehung – eine Beziehung der Fürsorge, Aufmerksamkeit und Zusammenarbeit. Sie erinnern uns daran, dass die Natur niemals gerade Linien gezogen hat, und vielleicht sollten wir das auch nicht tun.

Vor der Ausstellungseröffnung haben Joana und ich einen Workshop zu Bioyarn und zum Häkeln wachsender Blumen gegeben. Joana führte in die Herstellung von Bioyarn ein, und alle Teilnehmenden stellten ihr eigenes Bioyarn her. Ich habe dann gezeigt, wie man Blumen häkelt, und dann auch die Samen auf aufsetzt. Wir haben darüber gesprochen, was die Samen brauchen, um wachsen zu können. Im Anschluss experimentierten wir gemeinsam mit dem Häkeln mit Bioyarn und Baumwollgarn.
Es entstanden richtig tolle und kreative Ergebnisse, und es hat sehr viel Spaß gemacht diesen Workshop mit Joana zu leiten.






photo @galeria municipal vila franca de xira
Joana Alarcão

Joana Alarcão (1997, Amadora, Portugal) ist eine portugiesische transdisziplinäre Künstlerin, Kuratorin, Forscherin und Podcast-Moderatorin, die sich vorwiegend mit den Konzepten der sozialen, politischen und ökologischen Gerechtigkeit beschäftigt.
Ihre Atelierpraxis ist eine tiefgreifende Untersuchung der materiellen Wirkmächtigkeit und des ökologischen Bewusstseins. Unter Verwendung von natürlichen Farben, Holzkohle, Ton und experimentellen Biomaterialien entwickelt Alarcão Skulpturen, Installationen und Gemälde, die konventionelle künstlerische Narrative in Frage stellen. Ihre Arbeit untersucht die komplexen Schnittstellen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Wirkungen, wobei der menschliche Körper ein zentraler Erzählstrang in ihrem Werk bleibt und als kritische Linse dient, um moderne Sklaverei, Klimaflüchtlinge und zeitgenössische politische Atmosphären zu untersuchen.
Durch ihre Skulpturen und Installationen erforscht Alarcão auch die Körperlichkeit der menschlichen Erfahrung und untersucht, wie Körper mit ökologischen und sozialen Kontexten interagieren und von ihnen geprägt werden.

Im Jahr 2021 gründete Alarcão das Projekt Insights of an Eco Artist (IOAEA), das die Auswirkungen und Zusammenhänge von Kunstinterventionen auf die globale soziale, politische und ökologische Gegenwart dokumentiert. Seitdem hat IOAEA mit mehreren Künstlern und Projekten zusammengearbeitet, die sich mit globalen sozialpolitischen Zusammenhängen und Umweltschutz befassen, sowohl in schriftlicher Form als auch in Audio-/Podcast-Formaten, Live-Vorträgen, virtuellen Ausstellungen und Residenzen.
Ihre Texte finden sich auf verschiedenen Plattformen wie Women to Women, Public Offerings Ltd. und GateKeeper, sowie mit NGOs wie Creative Conscious und Art Helps.

Zixiang Zhang

Zixiang Zhang (1990, Dalian, China) ist eine in London lebende BioArt-Künstlerin, deren Arbeit sich auf die Integration biologischer Materialien in die zeitgenössische Kunstpraxis konzentriert.
In ihrer Arbeit untersucht sie die Beziehung zwischen künstlichen und natürlichen Substanzen anhand von Materialien wie Textilabfällen und Myzel. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen Themen wie Zusammenarbeit, Transformation und Regeneration, die als sich entwickelnde ökologische Strukturen dargestellt werden.
Ihre Werke wurden in Großbritannien, Europa und China ausgestellt und waren Teil von Ausstellungen, die sich mit ökologischer Kunst, nachhaltigen Materialien und interdisziplinärem Dialog befassten. Durch die Einbeziehung lebender Materie verwandelt sie Skulpturen von statischen Formen in prozessbasierte Strukturen, die den Lebenszyklus von Materialien und die Grenzen zwischen menschlichem Handeln und natürlichen Systemen untersuchen.
Ihr Ansatz betont eine reduzierte künstlerische Kontrolle, sodass natürliche Prozesse im Laufe der Zeit die Ergebnisse formen können. Ihre Praxis trägt zu einer breiteren Diskussion über die Rolle des Künstlers in ökologischen Kontexten bei und unterstützt den Dialog zwischen Kunst, Wissenschaft und Umweltforschung.

My works


Inspiriert vom Ausstellungstitel Nature Doesn’t Draw Straight Lines greift diese Arbeit die Idee auf mehreren Ebenen auf.
Es handelt sich um ein rundgestricktes Textil aus Wolle, das von Draht gehalten und durch eine Pumpe feucht gehalten wird. Die Pumpe befördert Wasser nach oben, von wo aus es sich über die Oberfläche des Textils verteilt. In das Gestrick sind violette Radieschensamen eingearbeitet, die darin wachsen.
Die Wolle habe ich handgesponnen, aus Schafwolle aus meinem Heimatdorf. Der Spinnprozess macht die Individualität des Rohmaterials sichtbar: Jedes Haar, jeder Abschnitt der Wolle unterscheidet sich leicht. Ein vollkommen gleichmäßiges Garn herzustellen ist unmöglich, und auch nicht notwendig.
Die Wolle ist zu einer kreisförmigen Struktur gestrickt, mithilfe einer Bindung, die ein rhythmisches Muster erzeugt. Durch den handwerklichen Prozess und die natürliche Beschaffenheit des Garns wird dieses Muster ungleichmäßig.
Das Objekt wird von seinen Materialien selbst geformt. Ihnen wird Handlungsmacht zugestanden, sie dürfen sich einer erzwungenen, festen Form widersetzen.
Die Samen sind entlang des diagonalen Musters in die Maschen eingesetzt, jeweils in jeder vierten Reihe. Dadurch wird die diagonale Ausrichtung der Bindung verstärkt und ihre nicht-lineare Struktur betont.
Da Pflanzen stets nach oben wachsen, ermöglicht die diagonale Anordnung, jede einzelne Pflanze zu beobachten: wie sie sich windet und entfaltet und wie ihre Farben in unterschiedlichen Nuancen erscheinen. Ich möchte Betrachter:innen dazu einladen, näher zu kommen, die einzelnen Pflanzen zu betrachten und ihre Windungen sowie ihre individuelle Schönheit wahrzunehmen.
Die Pumpe erhält das gesamte System am Leben. Sie ist Teil eines vom Menschen geschaffenen Systems, das Wachstum ermöglicht und den Raum zwischen exakter Planung und unberechenbarem Wachstum auslotet. Die Arbeit stellt die Frage, wie wir mit Pflanzen als Ko-Autor:innen arbeiten können, getragen von menschengemachten Strukturen.

Antonia ist daran interessiert, Wege zu finden, Pflanzen auf Textilien wachsen zu lassen, ohne dabei auf Elektrizität angewiesen zu sein. Die Kugel hängt im Wasser, wodurch ihre Fäden das Wasser durch Kapillarwirkung nach oben ziehen und die Pflanzen kontinuierlich feucht halten.
Die Kugel fungiert als Zeichen der Fürsorge für die darin wachsenden Leinenpflanzen.
Leinen hat innerhalb der Textilindustrie eine besondere Bedeutung und blickt auf eine lange Geschichte zurück. Es ist tief in vielen Kulturen verwurzelt. In den letzten Jahrzehnten ist die Nutzung von Leinen stark zurückgegangen, erlebt jedoch derzeit langsam eine Renaissance und gewinnt erneut an Popularität. Leinen zeichnet sich durch hohe Festigkeit und Langlebigkeit aus, kann zugleich auch sehr weich und kühlend sein. Die Verwendung der Samen ist eine wichtige Nutzung der Pflanze: Sie werden sowohl zur Ölgewinnung als auch als Nahrungsmittel genutzt. Der lateinische Name der Pflanze, Linum usitatissimum, spiegelt diese Geschichte wider: linum steht für Flachs, usitatissimum bedeutet „am häufigsten genutzt“.
Es ist nicht vorhersehbar, wie lange die Pflanzen weiter wachsen werden. Eine Galerie ist nicht ihr natürlicher Lebensraum und die Umgebung ist nicht vollständig kontrollierbar. Es ist möglich, dass sie noch vor dem Ende der Ausstellung absterben. Sollte dies geschehen, lässt sich das nicht ändern. In diesem Fall lädt Ablass alle ein, die vertrockneten Pflanzen zu betrachten und die neu entstandenen Formen zu beobachten.
In der Natur ist das Absterben ein völlig normaler Prozess. Abgestorbene Pflanzen sind essenziell für Bakterien, Pilze und Mikroorganismen im Boden und tragen zur Bildung neuer Erde und Nährstoffe für zukünftiges Wachstum bei. Ihre Schönheit wahrzunehmen kann uns helfen, die Bedeutung des Kreislaufs des Lebens besser zu verstehen.

one week after the opening
klicke um das Video abzuspielen
"Ich denke oft über Städte nach und darüber, was an den Orten existierte, bevor dort eine Stadt war. Wir nehmen Städte als ganz normales wahr, wir hinterfragen ihre Exist nicht. Doch bevor eine Stadt zur Stadt wurde, war sie ein Dorf; davor vielleicht nur ein paar Häuser, umgeben von Feldern. Und davor war Wald. Ein Großteil Europas war Wald.
Wo immer wir heute stehen, ist es sehr wahrscheinlich, dass dort einmal ein Baum stand.
Was wäre also, wenn wir zuließen, dass etwas von dem, was vorher da war, wieder durchbricht? Wenn wir Gräser, die durch den Asphalt wachsen, bewundern würden, uns über Moos an Wänden freuen und uns sorgsam um Bäume kümmern würden?"
Das Textil entstand während einer Künstler*innenresidenz bei Cortex Frontal in Arraiolos, Portugal.
Es besteht aus einem rhythmischen getufteten Wollmuster auf einer Leinwand, auf die vorher Chiasamen in einem organischen Muster aufgebracht wurden.
Die Idee ist, den Rhythmus des Musters durch organisches Wachstum zu unterbrechen.

photo @galeria municipal vila franca de xira
Die gesamte Ausstellung ist mit getrockneten Blättern ausgelegt. Im Raum für das Video stehen Baumstämme aus dem Park, auf denen man sitzen kann. Ich liebe dieses biophile Design der Ausstellung, das eine wunderbare Verbindung zu den ausgestellten Werken herstellt. Es thematisiert auch die Beziehung zwischen Innen und Außen. Wir denken, außerhalb unserer Häuser befindet sich die Natur. Aber was wäre, wenn die Natur nach innen kommen könnte?

"Nature does not draw straight lines"
"Die Natur zieht keine geraden Linien"
Was für ein toller Ausstellungstitel, und ich war Teil davon.
Kuratiert von Joana Alarcão zeigte ich meine Arbeiten gemeinsam mit ihren eigenen Arbeiten und Zixiang Zhang in der Galeria Municipal Jovem in Vila Franca de Xira, nur zehn Minuten mit dem Zug von Lisboa Oriente entfernt.
Was geschieht im Raum zwischen Intention und Wachstum? Zwischen der Hand des Künstlers und der Kraft des Myzels? Zwischen unseren täglichen Bewegungen und dem leisen Stattfinden ökologischer Brüche?
Nature Doesn't Draw Straight Lines bringt drei Künstler zusammen:
Zixiang Zhang, Antonia Ablass und Joana Alarcão, deren Praktiken in aktiver Auseinandersetzung mit lebenden Systemen stehen: Pflanzen, Algen, Myzel und den Umgebungen, in denen sie leben. Sie machen keine Kunst über die Natur, sondern mit der Natur: eine Praxis der Zusammenarbeit, Geduld und Wertschätzung.
In unserer heutigen schnelllebigen Welt übersehen wir oft die stillen Veränderungen und Bewegungen in der Natur, die uns umgibt – Myzel umgeht Hindernisse, Algen blühen in sich erwärmenden Gewässern und Bäume passen sich an Gebäude und Beton an. In ihrer künstlerischen Praxis schaffen diese Künstler einen Dialog der Verbundenheit, der diese stillen Brüche hervorhebt und uns zeigt, dass wir, wenn wir langsam genug werden, die Handlungsfähigkeit anderer Wesen wahrnehmen können.
Die Skulpturen, Installationen und Zeichnungen atmen, verfallen, passen sich an und leisten Widerstand, wobei sie die einzigartigen Prozesse der Natur würdigen. Indem sie die Kontrolle abgeben, geben diese Künstler den Materialien ihre eigene Wirkmächtigkeit zurück und schaffen Raum für sie, um zu Mitautoren im künstlerischen Prozess zu werden, wodurch sich die geraden Linien des menschlichen Designs in der geschwungenen Logik organischer Systeme auflösen können.
Die visuelle und konzeptionelle Atmosphäre der Ausstellung zielt darauf ab, folgende Fragen zu stellen: Was bedeutet es, miteinander zu kreieren, anstatt auf etwas aufzubauen? Wie schaffen wir Raum für nichtmenschliche Handlungsfähigkeit? Welche stillen Spannungen entstehen, wenn wir unsere Verflechtung mit Systemen anerkennen, die größer und älter sind als wir selbst?
Biophile Kunstpraktiken bieten mehr als nur eine Metapher; sie schaffen eine andere Beziehung – eine Beziehung der Fürsorge, Aufmerksamkeit und Zusammenarbeit. Sie erinnern uns daran, dass die Natur niemals gerade Linien gezogen hat, und vielleicht sollten wir das auch nicht tun.

Vor der Ausstellungseröffnung haben Joana und ich einen Workshop zu Bioyarn und zum Häkeln wachsender Blumen gegeben. Joana führte in die Herstellung von Bioyarn ein, und alle Teilnehmenden stellten ihr eigenes Bioyarn her. Ich habe dann gezeigt, wie man Blumen häkelt, und dann auch die Samen auf aufsetzt. Wir haben darüber gesprochen, was die Samen brauchen, um wachsen zu können. Im Anschluss experimentierten wir gemeinsam mit dem Häkeln mit Bioyarn und Baumwollgarn.
Es entstanden richtig tolle und kreative Ergebnisse, und es hat sehr viel Spaß gemacht diesen Workshop mit Joana zu leiten.





photo @galeria municipal vila franca de xira
Joana Alarcão

Joana Alarcão (1997, Amadora, Portugal) ist eine portugiesische transdisziplinäre Künstlerin, Kuratorin, Forscherin und Podcast-Moderatorin, die sich vorwiegend mit den Konzepten der sozialen, politischen und ökologischen Gerechtigkeit beschäftigt.
Ihre Atelierpraxis ist eine tiefgreifende Untersuchung der materiellen Wirkmächtigkeit und des ökologischen Bewusstseins. Unter Verwendung von natürlichen Farben, Holzkohle, Ton und experimentellen Biomaterialien entwickelt Alarcão Skulpturen, Installationen und Gemälde, die konventionelle künstlerische Narrative in Frage stellen. Ihre Arbeit untersucht die komplexen Schnittstellen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Wirkungen, wobei der menschliche Körper ein zentraler Erzählstrang in ihrem Werk bleibt und als kritische Linse dient, um moderne Sklaverei, Klimaflüchtlinge und zeitgenössische politische Atmosphären zu untersuchen.
Durch ihre Skulpturen und Installationen erforscht Alarcão auch die Körperlichkeit der menschlichen Erfahrung und untersucht, wie Körper mit ökologischen und sozialen Kontexten interagieren und von ihnen geprägt werden.

Im Jahr 2021 gründete Alarcão das Projekt Insights of an Eco Artist (IOAEA), das die Auswirkungen und Zusammenhänge von Kunstinterventionen auf die globale soziale, politische und ökologische Gegenwart dokumentiert. Seitdem hat IOAEA mit mehreren Künstlern und Projekten zusammengearbeitet, die sich mit globalen sozialpolitischen Zusammenhängen und Umweltschutz befassen, sowohl in schriftlicher Form als auch in Audio-/Podcast-Formaten, Live-Vorträgen, virtuellen Ausstellungen und Residenzen.
Ihre Texte finden sich auf verschiedenen Plattformen wie Women to Women, Public Offerings Ltd. und GateKeeper, sowie mit NGOs wie Creative Conscious und Art Helps.

Zixiang Zhang

Zixiang Zhang (1990, Dalian, China) ist eine in London lebende BioArt-Künstlerin, deren Arbeit sich auf die Integration biologischer Materialien in die zeitgenössische Kunstpraxis konzentriert.
In ihrer Arbeit untersucht sie die Beziehung zwischen künstlichen und natürlichen Substanzen anhand von Materialien wie Textilabfällen und Myzel. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen Themen wie Zusammenarbeit, Transformation und Regeneration, die als sich entwickelnde ökologische Strukturen dargestellt werden.
Ihre Werke wurden in Großbritannien, Europa und China ausgestellt und waren Teil von Ausstellungen, die sich mit ökologischer Kunst, nachhaltigen Materialien und interdisziplinärem Dialog befassten. Durch die Einbeziehung lebender Materie verwandelt sie Skulpturen von statischen Formen in prozessbasierte Strukturen, die den Lebenszyklus von Materialien und die Grenzen zwischen menschlichem Handeln und natürlichen Systemen untersuchen.
Ihr Ansatz betont eine reduzierte künstlerische Kontrolle, sodass natürliche Prozesse im Laufe der Zeit die Ergebnisse formen können. Ihre Praxis trägt zu einer breiteren Diskussion über die Rolle des Künstlers in ökologischen Kontexten bei und unterstützt den Dialog zwischen Kunst, Wissenschaft und Umweltforschung.

My works


Inspiriert vom Ausstellungstitel Nature Doesn’t Draw Straight Lines greift diese Arbeit die Idee auf mehreren Ebenen auf.
Es handelt sich um ein rundgestricktes Textil aus Wolle, das von Draht gehalten und durch eine Pumpe feucht gehalten wird. Die Pumpe befördert Wasser nach oben, von wo aus es sich über die Oberfläche des Textils verteilt. In das Gestrick sind violette Radieschensamen eingearbeitet, die darin wachsen.
Die Wolle habe ich handgesponnen, aus Schafwolle aus meinem Heimatdorf. Der Spinnprozess macht die Individualität des Rohmaterials sichtbar: Jedes Haar, jeder Abschnitt der Wolle unterscheidet sich leicht. Ein vollkommen gleichmäßiges Garn herzustellen ist unmöglich, und auch nicht notwendig.
Die Wolle ist zu einer kreisförmigen Struktur gestrickt, mithilfe einer Bindung, die ein rhythmisches Muster erzeugt. Durch den handwerklichen Prozess und die natürliche Beschaffenheit des Garns wird dieses Muster ungleichmäßig.
Das Objekt wird von seinen Materialien selbst geformt. Ihnen wird Handlungsmacht zugestanden, sie dürfen sich einer erzwungenen, festen Form widersetzen.
Die Samen sind entlang des diagonalen Musters in die Maschen eingesetzt, jeweils in jeder vierten Reihe. Dadurch wird die diagonale Ausrichtung der Bindung verstärkt und ihre nicht-lineare Struktur betont.
Da Pflanzen stets nach oben wachsen, ermöglicht die diagonale Anordnung, jede einzelne Pflanze zu beobachten: wie sie sich windet und entfaltet und wie ihre Farben in unterschiedlichen Nuancen erscheinen. Ich möchte Betrachter:innen dazu einladen, näher zu kommen, die einzelnen Pflanzen zu betrachten und ihre Windungen sowie ihre individuelle Schönheit wahrzunehmen.
Die Pumpe erhält das gesamte System am Leben. Sie ist Teil eines vom Menschen geschaffenen Systems, das Wachstum ermöglicht und den Raum zwischen exakter Planung und unberechenbarem Wachstum auslotet. Die Arbeit stellt die Frage, wie wir mit Pflanzen als Ko-Autor:innen arbeiten können, getragen von menschengemachten Strukturen.

Antonia ist daran interessiert, Wege zu finden, Pflanzen auf Textilien wachsen zu lassen, ohne dabei auf Elektrizität angewiesen zu sein. Die Kugel hängt im Wasser, wodurch ihre Fäden das Wasser durch Kapillarwirkung nach oben ziehen und die Pflanzen kontinuierlich feucht halten.
Die Kugel fungiert als Zeichen der Fürsorge für die darin wachsenden Leinenpflanzen.
Leinen hat innerhalb der Textilindustrie eine besondere Bedeutung und blickt auf eine lange Geschichte zurück. Es ist tief in vielen Kulturen verwurzelt. In den letzten Jahrzehnten ist die Nutzung von Leinen stark zurückgegangen, erlebt jedoch derzeit langsam eine Renaissance und gewinnt erneut an Popularität. Leinen zeichnet sich durch hohe Festigkeit und Langlebigkeit aus, kann zugleich auch sehr weich und kühlend sein. Die Verwendung der Samen ist eine wichtige Nutzung der Pflanze: Sie werden sowohl zur Ölgewinnung als auch als Nahrungsmittel genutzt. Der lateinische Name der Pflanze, Linum usitatissimum, spiegelt diese Geschichte wider: linum steht für Flachs, usitatissimum bedeutet „am häufigsten genutzt“.

one week after the opening
Es ist nicht vorhersehbar, wie lange die Pflanzen weiter wachsen werden. Eine Galerie ist nicht ihr natürlicher Lebensraum und die Umgebung ist nicht vollständig kontrollierbar. Es ist möglich, dass sie noch vor dem Ende der Ausstellung absterben. Sollte dies geschehen, lässt sich das nicht ändern. In diesem Fall lädt Ablass alle ein, die vertrockneten Pflanzen zu betrachten und die neu entstandenen Formen zu beobachten.
In der Natur ist das Absterben ein völlig normaler Prozess. Abgestorbene Pflanzen sind essenziell für Bakterien, Pilze und Mikroorganismen im Boden und tragen zur Bildung neuer Erde und Nährstoffe für zukünftiges Wachstum bei. Ihre Schönheit wahrzunehmen kann uns helfen, die Bedeutung des Kreislaufs des Lebens besser zu verstehen.
klicke um das Video abzuspielen
"Ich denke oft über Städte nach und darüber, was an den Orten existierte, bevor dort eine Stadt war. Wir nehmen Städte als ganz normales wahr, wir hinterfragen ihre Exist nicht. Doch bevor eine Stadt zur Stadt wurde, war sie ein Dorf; davor vielleicht nur ein paar Häuser, umgeben von Feldern. Und davor war Wald. Ein Großteil Europas war Wald.
Wo immer wir heute stehen, ist es sehr wahrscheinlich, dass dort einmal ein Baum stand.
Was wäre also, wenn wir zuließen, dass etwas von dem, was vorher da war, wieder durchbricht? Wenn wir Gräser, die durch den Asphalt wachsen, bewundern würden, uns über Moos an Wänden freuen und uns sorgsam um Bäume kümmern würden?"
Das Textil entstand während einer Künstler*innenresidenz bei Cortex Frontal in Arraiolos, Portugal.
Es besteht aus einem rhythmischen getufteten Wollmuster auf einer Leinwand, auf die vorher Chiasamen in einem organischen Muster aufgebracht wurden.
Die Idee ist, den Rhythmus des Musters durch organisches Wachstum zu unterbrechen.

photo @galeria municipal vila franca de xira
Die gesamte Ausstellung ist mit getrockneten Blättern ausgelegt. Im Raum für das Video stehen Baumstämme aus dem Park, auf denen man sitzen kann. Ich liebe dieses biophile Design der Ausstellung, das eine wunderbare Verbindung zu den ausgestellten Werken herstellt. Es thematisiert auch die Beziehung zwischen Innen und Außen. Wir denken, außerhalb unserer Häuser befindet sich die Natur. Aber was wäre, wenn die Natur nach innen kommen könnte?
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Für die Überschriften habe ich FAUNE verwendet, eine Schrift von Alice Savoie.
Alle Fotos habe ich selber gemacht. Nur die, auf denen ich zu sehen bin, nicht. Alle Bildrechte gehören mir.
Antonia Ablass antonia.ablass@posteo.de instagram: @plantextile
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