Ich hatte die Ehre, für die slow travel Residency Schottland vom Goethe Institut Glasgow ausgewählt zu werden. Am Anschluss an die dreiwöchige Residency fand die einamonaatige Ausstellung statt. Die drei Wochen bin ich mit Charlotte Bracho von Edinburgh nach Orkney (eine Insel ganz im Norden Schottlands), dann weiter in ein Renaturierungszentrum, und dann nach Cove Parc, in der Nähe von Helensburgh gereist. Natürlich nur mit dem Zug und der Fähre, es war ja schließlich eine slow travel residency. Das war auch super schön, auf dem Weg sind wir durch wirklich sehr schöne Landschaften gefahren, die allerdings auch viel Renaturierung bräuchten.
Die Residency als auch Ausstellung fanden im Rahmen des Earth Month 2025 statt, und die Ausstellungsseröffnung war auch die Eröffnung des Earth Months. Diesen haben das Goethe Institute Glasgow und das Institute Francis d'Ecosse unter das Thema cultures of action gestellt.

Diese Arbeit ist inspiriert von der Art und Weise, wie sich Ökosysteme und Pflanzen aneinander anpassen, sich Räume teilen dadurch mehrschichtige und vielfältige Lebensräume schaffen. Die Arbeit versucht diese natürlichen Muster und die Sinnhaftigkeit für Zusammenarbeit zwischen Arten, Spezien und verschiedensten Lebewesen durch lebendige Materialien nachzubilden.
Das Design wird durch Pflanzen geformt, die direkt in und durch das Textil wachsen. Auf der rhythmischen Struktur des Gewebes aufbauend, spiegelt es die menschliche Prägung der heutigen Landschaften wider. Einige Bereiche bleiben kahl - eine Erinnerung an die Räume, die wir beanspruchen, kontrollieren oder ausgelöschen. Doch die Natur ist hartnäckig: Mit der Zeit kehren die Pflanzen zurück und überwachsen das, was wir ihnen genommen haben.
Wir müssen lernen, wirklich mit der Natur zusammenzuarbeiten, anstatt sie zu beherrschen.
Das Werk wird von einem Pumpensystem getragen, das die Pflanzen am Leben erhält und die aktive Rolle symbolisiert, die der Mensch übernehmen muss, um der Natur Raum zurückzugeben und das Pflanzenwachstum zu unterstützen. Es spiegelt die Möglichkeit einer ausgewogeneren, bewussten Beziehung wider. Eine Beziehung, in der gegenseitige Fürsorge, einseitige Kontrolle ersetzt.
Durch die Harmonisierung von natürlichem Wachstum und menschlichem Eingreifen bietet diese Arbeit eine Vision der Coexistenz - in der der Mensch nicht von der Natur getrennt, sondern mit ihr verwoben ist.
Größe: 58 x 72cm
Samen: Rettich, Amaranth, Chia, Buchweizen, Leinen
Stoff: Leinen, Baumwolle


Dieses Stück verbindet Wolle aus verschiedenen Landschaften, die in eine Häkelarbeit verarbeitet wurde und Geschichten aus der Ferne miteinander verbindet. Das Stück wuchs auf der Reise - und nahm unterwegs Orte, Momente und Bewegungen auf. Bei jedem Ort haben neue Menschen dazu beigetragen und hinterließen ihre Art zu häkeln. So hat sich eine gemeinsame, kollektive Erinnerung geformt.
Vor allem durch die Wahl langsamerer zu reisen bleibt zwischen den Orten Zeit für Reflektion, Veränderungen zu beobachten und langsam an den neuen Orten anzukommen.
Der Kreis reflektiert darüber, wie das Reisen Orte verbindet, Menschen aus weit entfernten Orten werden durch den Reisenden miteinander verbunden. Erinnerungen werden ein- und ausgetragen.
Der kahle Boden um das Häkelstück spiegelt die schockierende Menge an erodiertem Boden und Monokulturen wider, die ich in der Landschaft zu beobachtet habe. Durch das Einbringen von Wildblumensamen in den Häkelkreis, die während der Ausstellungsdauer und darüber hinaus wachsen, soll dem etwas Entgegen gesetzt werden. Ich möchte gerne dazu inspirieren, dass das, was wir hinterlassen, und da wo wir unsere Kreise ziehen, sich in etwas Positives, Renaturierendes verwandelt.
Der Häkelkreis wird sich langsam wieder in Erde verwandeln, ein Zeichen dafür, dass alles irgendwann wieder zu Erde wird. Die Erinnerungen, Eindrücke und Erfahrungen sowie das reale Material werden von Bakterien, Pilzen und allen Bewohnern des Bodens gefressen. Sie fressen die Wolle aus Brandenburg ebenso wie die von den Shetlands. Hier kommt alles zusammen und nährt die Wildblumen.
Wolle: selbstgesponnene Wolle aus Brandenburg (Coburger Landschaf), Naturfasern aus einem Second-Hand Laden, Wolle von New Landmark Mills und dem Shetlandschaf
Alle die gehäkelt haben: Marlene, Steven, Mark, Alfred, Nicole, Ondine, Kate, Jenny, Dan, Charlotte
Samen: eine Mischung aus einheimischen Wildblumen






Häkeln während der Reise
während der Ausstellung


Die Pflanzen wachsen in ungeplanter Unregelmäßigkeit aus dem Stoff heraus, neigen sich dem Licht zu.
nach der Ausstellung
Nach der einmonatigen Ausstellungsdauer wurde das Häkelstück zum Garten des Goethe-Institut Glasgow transportiert und dort eingepflanzt. Jetzt wachsen die Wildpflanzen und die Wolle wird zu Erde. Ich bin gespannt, wie die Häkelarbeit in die Erde zurückkehrt, während einige Wildblumen dem Garten bunte Tupfer verleihen.




©Goethe-Institut Glasgow / Leonie Hiller (@leoniejhiller)nach oben
Für die Überschriften habe ich FAUNE verwendet, eine Schrift von Alice Savoie.
Alle Fotos habe ich selber gemacht. Nur die, auf denen ich zu sehen bin, nicht. Alle Bildrechte gehören mir.
Antonia Ablass antonia.ablass@posteo.de instagram: @plantextile
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